Die 9. Etappe von Ulan-Bator nach Choyr

Nun ist es soweit: die letzten zwei Etappen in der Mongolei beginnen und diese Etappe wird eine Ausscheidungsetappe. Die Nerven sind angespannt und jeder versucht auf seine Art und Weise Ruhe zu bewahren.

Eindecken mit Lebensmitteln bevor es tief ins Landesinnere geht

Wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass es in den nächsten sechs Tagen schwer sein wird, Lebensmittel zu kaufen. Es wäre besser wenn wir uns hier, in Ulan - Bator, eindecken würden. Das hieß dann aber auch, einige Kilo mehr im Rucksack zu haben, und das in der Mongolei wo uns schon klar war, das wir auch viel des Weges laufen würden müssen. Aber nun denn, kurz vor Rennstart durften alle loslaufen und wir fanden auch auf Anhieb einen Miniladen. Schnell suchten wir Kekse, Wurst, ein wenig Schmierkäse, Schokolade, einen kleinen Napfkuchen und Brot aus. Das sollte reichen für sechs Tage, mal etwas weniger essen würde uns auch nicht schaden – in Russland hatten wir ob des guten Essens eher zu denn abgenommen ;-).

Der erste Hike gleich ein unverschämter Glücksfall

Pünktlich zu Hikestart stehen wir an der Strasse und haben unverschämtes Glück: noch bevor unser Daumen überhaupt den Weg nach draußen finden kann, hält ein älterer Mann. Und er nimmt uns auch sofort mit für die nächste Stunde. Wo er uns absetzt sehen wir auch zum letzten Mal echte Verkehrsschilder – der Spaß sollte bald zu Ende sein! Nach einem Wagen dessen Ladefläche mit Tierblut voll ist, steigen wir in einem Jeep um den zwei junge Männer fahren. Danach gibt es noch einen Minihike auf der Ladefläche eines feuerroten Jeeps und dann stehen wir an der Abbiegung nach Jagalkhaan – oder zumindest das was wir für eine Abbiegung halten. Um das mal zu verdeutlichen: man stelle sich eine Strasse vor, ähnlich einer Landstrasse hier, diese geht nach rechts weiter, links von uns nur Steppe, das heisst weites ödes Land sonst nix bis zum Horizont. Unsere Annahme, dass es nach Jagalkhaan auf der Teerstrasse weitergehen würde, hielten wir bis dato nicht für falsch. Dann hält ein Kleinbus mit Arbeitern die wir nach dem Weg fragen um sicherzugehen – sie zeigen mitten in die Steppe. Wir glauben, dass es sich nur um ein Missverständnis handelt und versuchen anhand der Karte besser zu erklären wohin unser Weg führt. Aber sie lachen und zeigen wieder in die Steppe hinaus. Langsam dämmert es uns: willkommen in der Mongolei, jetzt beginnt der Spaß erst richtig!!!

Holprig ist noch der falsche Ausdruck für diese Wege

Na dann eben durch die Steppe - wir dürfen mitfahren und bekommen als Willkommensgruß gleich ein mongolisches Leckerli: getrocknete gegärte Stutenmilch als Stücke gebrochen!!!! Das schmeckt ungefähr so lecker wie Milch die man bei gleißender Sonne in der Küche stehen lässt bis sie dick ist und dann mal versucht sich das einzuverleiben. Hmmmm, wohl bekomm's! Unser Magen meinte auch ungefähr das und die Tränen traten mir in die Augen, Marc hatte auch sichtbar zu kämpfen und während ich das Stück Stutenmilch ungesehen wieder aus meinem Mund entfernte, lutschte Marc tapfer weiter darauf herum und verspeiste es dann komplett. Meinen tiefen Respekt hatte er damit auf jeden Fall gewonnen! Aber nun wieder zu unserem Ritt durch die Steppe – ruhig war der in keinem Fall, und holprig trifft es wohl nicht ganz. Wir fuhren von einem Schlagloch zum nächsten, die Mongolen lächelten uns glücklich an, also lächelten wir, vielleicht nicht ganz so glücklich ob der fehlenden Stoßdämpfer des Wagens, zurück. Aber wir kamen uns super vor – inmitten der Steppe, durch die Mongolei, eine Strecke ohne Schilder, Wegweiser oder der Aussicht auf ein Dorf mit Ortsschild. Wow, hier konnte man noch lonesome cowboy spielen …. Nach einiger Strecke des Weges machten uns die Arbeiter dann klar, dass sie eine andere Richtung einschlagen würden als wir fahren möchten. Das war für uns eine echte Überraschung, es bot sich uns noch immer dasselbe Bild: bis zum Horizont nur flache Steppe, ausgedörrtes Gras, Spuren im Sand, sonst nichts. Wohin bitte wollten die Arbeiter fahren??? Und wo lag denn dann das Dorf das wir suchten??? Hier inmitten der Steppe konnte man sich plötzlich furchtbar einsam vorkommen, und auch ein wenig mit der Angst zu tun bekommen …. Denn wo man sich auf der Karte befand konnten hier nicht einmal die Mongolen wirklich zuordnen. Ich war froh, dass ich Marc und sein Gespür für die Himmelsrichtung hatte, so konnten wir wenigstens davon ausgehen UNGEFÄHR richtig zu reisen. Wir stiegen dann um in einen LKW mit drei jungen Burschen, die fanden uns sehr lustig und lachten die ganze Zeit herzlich. Da wir leider wenig verstanden, lachten wir mit, eher ein wenig unbeholfen, aber lachen befreite in dieser Situation in der man sich schon fast hilflos der Steppe ausgesetzt sah, sehr. Plötzlich meinten aber auch unsere drei Jungs, dass sie nun gen Süden weiterfahren würden, aber unsere Rute würde geradeaus, nach Osten gehen. Aha, wenn sie meinten, wir konnten nur spekulieren und gaben widerstandslos auf.

Über ein halbes Dutzend Menschen in einer kleinen LKW Führerkanzel – auf zu „Wetten dass?“!!!!!!!

Und dann standen wir wieder in der Steppe. Hinten am Horizont sahen wir nach einer halben Stunde Staubwolken – juhu juhu ein Auto!!! Wir waren ganz aufgeregt und tatsächlich hielt der Laster. Und nach einigem Hin und Her nahm er uns dann auch mit. Als er die Beifahrertür öffnete trauten wir unseren Augen nicht – in dieser ganz normalen Führerkanzel saßen bereits 6, hier noch mal in Worten: SECHS, Menschen. Wo um Himmels willen sollten wir dann da noch hin??? Aber die Mongolen machten bereitwillig Platz, das Wort „voll“ kannte man hier nicht, das hatten wir schon vorher mitbekommen. Eine irre Erfahrung und bei uns in Deutschland stellt man sich schon an wenn man im Kombi hinten zu dritt sitzen muss, tststs, solche Vorstellungen relativieren sich hier sehr schnell! Es saß also dann der Fahrer halbwegs allein auf seinem Platz, dann kam eine Frau mit dem Rücken zur Scheibe, wieder ein Mann normal sitzend, wieder eine Person zur Scheibe usw. usw. bis zu uns hin. Nebenbei bemerkt habe ich Platzangst, aber da für solche Scharwenzchen hier kein Platz ist auf solch einer Reise, machte mir Marc einfach nur Mut und dann klebten auch wir an der Scheibe des Lasters. Körperkontakt extrem! Noch eine weiterer Wagen, mit nicht weniger als 15 Insassen in einem normalen Kleinbus in den für gewöhnlich 9 Menschen passen, und wir waren am Ziel. Der Wagen war eine Art Taxibus und fuhr auch kreuz und quer durch die Steppe, unser Eindruck, dass sich auch die Mongolen nicht immer so genau auskennen (was ja nicht weiter schwer war) verstärkte sich mit der Zeit nur noch.

Ein heiliger Moment und unser erster Ritt auf mongolischen Pferden

Und dann sahen wir den Treffpunkt beim buddhistischen Oberhaupt von Jargaltkhan, ein roter kleiner Holztempel. Nach dem Eintreten werden wir gesegnet und empfinden tiefe Hochachtung vor dieser Religion die einen hier wirklich sprachlos machen kann. Vor dem Tempel wartet unser Gastvater auf uns – mit zwei Pferden. Jetzt denkt sicher jeder – ja super, echte mongolische Wildpferde – ist ja super! War es auch, wenn die Pferde nur nicht so klein wären und die Sättel nicht aus Holz und für den kleinen Po von Mongolen zugeschnitten. Da kam ein wenig Schmerz auf uns zu …uuaaahhhh. Aber nach einem Ritt von circa sieben Kilometern erreichten wir die Jurte unserer Gastfamilie. Vor der Jurte steht die ganze Familie plus Kamel und drei Kühe. Ein irrer Moment den wir nicht vergessen werden, es war wie im Märchen, als wenn man diese Geschichte nur lesen würde und nicht unmittelbar selbst daran teilnimmt. Diese weite Steppe, die Hügel am Horizont, und hier diese Jurte und die Mongolen die soviel kleiner als wir waren, mit derber gegerbter Haut vom Wetter und dem zauberhaften Lächeln und den großen braunen Augen. Wir waren ganz still und fasziniert. Unser Gastpapa führte uns dann stolz herum, zeigte das Wasser was hier in einem Tank aufbewahrt wurde, gewaschen wurde sich mit Wasser was aus einer umgedrehten Colaflasche kam: man öffnete ein wenig den Verschluss, ließ die Hand mit Wasser volltropfen, drehte den Verschluss wieder zu und wusch sich damit komplett plus Zähneputzen. Jaja, mehr als Katzenwäsche war da nicht drin. Und durch den steten Wind in der Mongolei hatte man die ganze Zeit den feinen Sand auf der Haut und sah braungebrannt aus – was aber eigentlich eher vom Schmutz auf dem Gesicht herrührte als von einer Urlaubsbräune. Aber was machte das schon? Wir waren im Land des Dschingis Khan, waren bei Mongolen eingeladen und sollten jetzt lernen eine Jurte aufzubauen. Das sah bei den Mongolen auch einfach aus … aber na ja, die hatten eben auch schon seit frühester Kindheit an Übung. Das deutsche Wort Jurte stammt übrigens aus dem türkischen jurt, was soviel wie Zelt, Lagerplatz, Land, Heimat oder Wohnort bedeutet. Die Jurte ist die übliche Unterkunft nomadischer Völker, sie ist gleichzeitig Haus und Heimat. Im Mongolischen heißt Jurte „Ger“. Eine Jurte kann von einer 4- bis 6köpfigen Familie in deutlich weniger als einer Stunde zerlegt und auch wieder aufgebaut werden. Die Jurte selbst passt zusammengefaltet auf 2 Kamele.

Der Aufbau der Jurte sieht leichter aus als nachgemacht

Die runde äußere Jurtenwand bilden aus biegsamem Holz gefertigte Scherengitter, deren einzelne Streben mit Nägeln zusammengehalten werden. Die Latten lassen sich scherenartig zusammendrücken und nehmen beim Transport nur wenig Platz ein. Stellt man eine Jurte auf, so zieht man die Gitter kreisförmig auseinander und lässt nur für den Türrahmen Platz. Die einzelnen stehenden Lattengitter befestigt man mit geflochtenen Pferdehaarschnüren aneinander.

Abhängig vom Durchmesser der Jurte erhebt sich genau in der Mitte der Jurte auf zwei etwa 2 bis 3 m hohen Säulen der Dachkranz. Sein Durchmesser beträgt 1, bis 2 m. Im Zentrum des Dachkranzes ist ein Seil befestigt, das nur von Bedeutung ist, wenn die Jurte bei Sturm einzustürzen droht. Dann wird an diesem Seil etwas Schweres, z. B. ein großer Stein, ein Sack Mehl, eine Holztruhe oder ähnliches, befestigt und der Jurte dadurch zusätzliche Stabilität verliehen.

Die Verbindung zwischen dem Scherengitter und dem Dachkranz bilden Dachstangen. Sie werden bei der Montage oben in die Aufnahmeöffnungen des Dachkranzes geschoben und unten mit Pferdehaarschnüren mit dem Scherengitter verzurrt. Der Steigungswinkel beträgt ca. 30°. Mittelalterliche Zeichnungen stellen die Jurten z.T. mit wesentlich steilerem Dachwinkel dar. Solche Spitzdachjurten haben sich bis heute bei den Kirgisen gehalten, sie trotzen aber dem Wind wesentlich schlechter als die flachen Jurten der Mongolen. Jede Jurte ist also ein Kompromiss zwischen dem Wunsch nach viel Wohnraum und der Notwendigkeit, dem Wind trotzen zu müssen. Die Regel ist ganz einfach: je größer die Jurte wird, desto schwieriger ist sie zu stabilisieren und im Winter auch zu heizen.

Eingelassen in die Jurtenwand ist eine gerahmte Holztür, die immer nach Süden schaut. Der Türrahmen wird mit zwei Anschlussgittern fest verbunden und um die im Kreis stehenden Gitterwände werden nochmals zwei Seile zur Stabilisierung gezogen. Früher bildete die Türöffnung nur ein dickes Stück Filz. Auch auf dem Türrahmen liegen Dachstangen auf.

Über das auf diese Weise entstandene stabile und dennoch elastische Holzgerüst werden Filzmatten gespannt und je zwei Kamelhaarseilen umschnürt. Bisweilen wird auch erst, um den grauen Filz zu verdecken, dünner weißer Leinenstoff darüber gezogen. Eine Lage Filz ist etwa 3 cm dick und hat die Isolierfähigkeit einer 6 cm dicken Ziegelwand. Im Winter werden über die Jurte 3 oder gar 4 Lagen Filz gespannt.

Die Sommerjurte

Im Sommer werden die Jurten nur mit einer Lage Filz belegt und die unteren Ränder hochgeschlagen, damit der Wind durch die Jurte streifen kann und so ein angenehmes Raumklima entsteht. Im Winter wird am unteren, äußeren Rand des mehrmaligen Filzüberzugs noch ein zusätzlicher Abschluss zur Erde aus Holz, Sackleinen oder anderen Materialien befestigt. Solange der Jurtenofen geheizt wird, herrscht in der Jurte eine angenehme Wärme, die freilich alsbald nachlässt, wenn das Feuer erlischt.

Leinenstoffe als Verzierung für innen und außen

Die äußere Hülle der Jurte bilden Leinenstoffe. Sie lassen sich leicht waschen und schützen den Filz zusätzlich vor Regen. Das Ganze wird außen mit aus Pferdehaaren geflochtenen Seilen fest verzurrt. Über den Dachkranz wird ein weiteres in Leinen eingeschlagenes Filzstück gezogen, mit dem in der Nacht oder bei Regen die Dachöffnung geschlossen werden kann. Tagsüber wird der Bezug in Dreiecksform zurückgezogen. Mitunter werden die Jurten heute an der Innenseite der Wand auch noch einmal mit Stoff verkleidet, das die Scherengitter verdeckt.

Ein ruhige Nacht in der Jurte und ein wildes Pferderennen am Morgen

Die Nacht verbrachten wir mit der Familie in der Jurte. Und auch hier gab es den kleinen Schrein mit den Gottesbildern, einige bunte Girlanden, den kleinen Tisch in der Mitte mit den niedrigen Schemeln und dem runden Ofen in der Mitte des Zeltes. Gegessen wurde hier wieder die getrocknete Stutenmilch und trockene Brotartige Kekse. Am nächsten Tag fand dann ein Pferderennen statt. Von jedem Team startete ein Teilnehmer, der jeweils andere Teilnehmer durfte am Ziel warten. Marc und Janine waren bereits erfahren Reiter und machten auch gleich zügig los. Und wenn man bisher noch an ein ruhiges Rennen im Trab gedacht hatte, dann rasten unsere Lieben mit einem Affentempo im Jagdgalopp davon. An ihrer Seite unsere Gastväter die ihre Tiere fest im Griff hielten. Hinter Marc und Janine kam etwas abgeschlagen Susanne und dann auch Harald. Die Anstrengung war ihnen anzusehen – und dann trat Marc's Pferd kurz vor dem Ziel in ein Loch und stürzte. Pia und ich schrieen auf: oh backe, wenn das mal gut gegangen war! Doch ein Stuntman lässt sich von so einer Nummer nicht unterkriegen und schon stand das Pferd wieder, es wollte Marc wohl in nichts nachstehen, und Marc saß auf und fegte ins Ziel.

Jurten bauen mit Freunden und dann Zeit totschlagen beim Versuch des Trampens

Dort angekommen durften wir uns ein Team zum Jurtenaufbauen aussuchen: wir nahmen natürlich Pia und Janine, wir waren mittlerweile sehr gute Freunde geworden und wollten den Spaß mit ihnen genießen. Ja und lustig war es dann auch, nur eben nicht schnell genug …. Wir verloren den Wettbewerb gegen das Team Harald/Eva/Susanne/Meik. Nach einem zusätzlichen Ritt standen die Gewinner des Amuletts fest: Harald und Eva.

Dann ging es weiter und erst einmal saßen wir mit den Mädls unendlich lang an der Strasse fest. Hier gab es nur Sand, Steppe, und bis zum Horizont nichts ….geschweige denn Autos. Und dann nach langer Wartezeit, es waren fast zwei Stunden, hielt ein Jeep an. Leider hatte der nur sehr schwer Platz für zwei Leute, die Mädls konnten wir leider nicht mitnehmen. Marc und ich nahmen auf dem Beifahrersitz zu zweit Platz und dann ging es 200 Kilometer durch die Steppe. Unser Fahrer war ein Landvermesser und wollte mit seinem Kartenunternehmen eine neue oder überhaupt eine Karte der hiesigen Ländereien erstellen. Und da auch er den Weg in die nächste Stadt nur ungefähr wusste, hielt er an jeder Jurte an die er sah um nach dem Weg zu fragen. Huch! Aber wenigstens machte uns das sicher das er den Weg sicher finden würde. Der Landvermesser sprach im Übrigen recht gut englisch und das war toll für uns, um mehr über seine Arbeit uns das Volk der Mongolen zu erfahren. Nach endlosen Stunden zu zweit auf einem Sitz kamen wir in der Stadt an: die Aussage „Folge der Powerline!“ bekam hier eine ganz neue Bedeutung, wo Stromleitungen da auch der richtige Weg. Wege die in eine weiter Stadt oder Dorf führten, gingen hier immer entlang der Powerline, natürlich gab es daneben auch unendlich viele andere Spuren im Sand, hier konnte praktisch jeder seine eigene Fahrspur eröffnen.

Blindes Vertrauen in die mongolischen Fahrer und eine kinderreiche Übernachtung

In der Stadt angekommen stellten wir uns an die Ausfallstrasse ins Landesinnere – jetzt kamen wir dann ganz sicher vollends von wenigsten spärlich besiedelten Gebieten ab. Aber nach ein circa einer Stunde durften wir auf einem Laster auf der Ladefläche mitfahren. Und jetzt wurde es ganz urig: riesige wilde Pferdeherden rannten durch die Steppe, Cowboys standen an einem winzigen Flüsschen bei ihrem Pferd, am Horizont eine Jurte, sonst nichts, einfach nichts an was sich das Auge festhalten konnte. Nur Steppe, Steppe, Steppe. Die Richtung?? Keine Ahnung, wir hatten versucht zu erklären wohin wir wollten, den Rest überließen wir dem Schicksal. Wir hielten an verschiedenen Jurten an, tranken Tee bei einer alten Frau in ihrer Jurte und kamen dem Hikeschluss schnell näher. Da wir nun leider inmitten von nirgendwo standen war guter Rat teuer, die Nächte in der Mongolei sind zum draußen schlafen schon eher sehr kalt. Aber dann sahen wir eine Powerline – juhu, wir hatten schon gelernt und sattelten die Rucksäcke und wanderten in den Sonnenuntergang. Die Stimmung war sehr romantisch, keine Frage, aber die bange Sorge um den Schlafplatz verging nicht ganz so schnell. Aber nach ungefähr sieben Kilometern und in der Dunkelheit standen wir dann in einem kleinen Dorf, die Powerline hatte uns Recht gegeben. Wir fanden Unterschlupf bei einer kinderreichen Familie und fielen recht bald erschöpft auf das kleine Klappsofa. Hier gab es nur einen Raum für die ganze Familie plus Küche, ungefähr zehn Kinder schwirrten hier herum, es war nicht ausmachen ob sie alle aus der gleichen Familie kamen. Einige schauten fern (Programm „Schneesturm“ lief gerade), einige machten Englisch Hausaufgaben, andere spielten verstecken und die Mädchen verkleideten sich. Alles sehr bunt und gelöst, leider waren wir zu müde um lange an dem Treiben teilzunehmen, wir schliefen schnell ein.

Das Schaf als netter Beifahrer

Am nächsten Tag dann die spannende Frage – wo genau waren wir und wo genau ging der Weg nach Choyr lang??? Wir konnten nur raten und es war uns auch klar, dass wir kein anderes Team treffen würden, die Wege hier in der Mongolei waren so vielzählig, Spuren in der Steppe, hier war es fast unmöglich einander zu sehen – hier führen wirklich viele Wege nach Rom, im wahrsten Sinne des Wortes. Wir bekommen nach wenigen Minuten den ersten Hike – mit einem Landarzt der ein Schaf zurück zu einer Jurte bringen will. Er hat es geheilt und solange bei sich gehabt, bis es wieder gesund war. Nun sitzen wir in dem Auto mit einem Schaf unter dem Arm: ein herrliches Bild! Nach einer halben Stunde kommen wir an der Jurten an und danach führt der Weg des Arztes nach Westen, unser Weg aber soll nach Osten gehen. Es trennen sich die Wege und wir laufen weiter. Es beschleicht uns das leise Gefühl das es das letzte Auto an diesem Tag gewesen sein sollte ….

Kein Auto in Sicht und wenig Hoffnung auf eines

Da wir keine Eile haben, da keine geboten ist, denn sollte ein Auto kommen würden wir es schon von weit weg sehen können, nahmen wir Platz und aßen etwas. Es war die Ausscheidungsetappe, das war uns bewusst, aber hier konnte man nichts machen, nur warten, dass ein Auto sich hierher verirren würde und wir an der richtigen Strasse sitzen. Wir futterten lustig los und beäugten argwöhnisch den Himmel der sich zuziehen schien. Wir schauten uns nach einem Unterschlupf um, konnten aber nichts genaues ausmachen. An diesem Tag liefen wir gute zwanzig Kilometer mit dem Rucksack auf dem Buckel. Es wurde zunehmend kälter, die Weite der Steppe war mir unheimlich und auch die Pferdeherden konnten mich nicht aufmuntern oder beruhigen. Marc hielt die Stimmung aufrecht und meinte wenn wir uns bewegen wäre die Kälte nicht so schlimm. Das taten wir dann auch, aber nach sechs oder sieben Kilometern war wieder ein Stopp angesagt, die Rucksäcke wurden auch nicht leichter und der Wind war mittlerweile in einen handfesten Sturm übergegangen. Ich konnte vor Kälte kaum mehr, wir hatten alles an was der Rucksack hergab: drei Hosen, zwei Pullover, zwei Jacken, dicke Socken, und dennoch froren wir erbärmlich.

Irre schneller Wetterumschwung und stark fallende Temperaturen

Die Temperaturen gingen zusehends in den Keller und der schnelle Wetterumschwung machte uns das Warten auf einen fahrbaren Untersatz nicht angenehmer. Ich brauchte ein wenig Wärme und stieg in meinen Schlafsack und setzte mich auf den Boden, so ging es etwas besser, wenn es auch die scheinbar ausweglose Situation hier in der menschenleeren Steppe, nicht besser machte. Dann kam der Regen auf, schnell packten wir zusammen und liefen weiter, das war besser als sitzen. Der Regen peitschte uns ins Gesicht, langsam wurde der Regen zu Schneeschauern und bevor wir es richtig glauben konnten, hagelte es uns deftige ins Gesicht. Wir liefen dem dämlichen Hagelsturm aber auch geradewegs in die Arme – es war zum verzweifeln. Nicht wegen der Etappe, oder der Angst vor dem Ausscheiden, eher wegen dem Schutzlos ausgesetzt sein und der Hoffnungslosigkeit hier auf ein Auto zu treffen. Ich konnte nicht mehr, und da liefen dann auch die ersten Tränen. Marc nahm mich in den Arm und versuchte zu trösten. Ich wollte heim, nach Hause, zu unseren Lieben, wünschte mir nichts sehnlicher als bei dieser Etappe nach Hause fliegen zu dürfen – seit fast fünf Stunden kämpften wir uns durch die Kälte. Die Kräfte ließen hier so schnell nach, so lange waren wir schon unterwegs und für etwas wie das hier nicht mehr kräftig und vorbereitet genug.

Endlich in Choyr und banges Warten auf das Ranking mit bösem Ende

Dann kam der Schnee …. zum Schluss wurde das Rennen abgebrochen und die Teams zum Ziel gefahren – mitten durch einen heftigen Schneesturm. In Choyr angekommen kam nun das bange Warten auf das Ranking. Wer würde als letztes angekommen sein? Mir war alles egal, ich sehnte mich nach Zuhause, wenn wir es wären wäre es mir egal, aber ich wusste auch das Marc sehr gern noch weiter machen würde, das es ihm gut tat und er Spaß an der Sache hatte auch wenn es jetzt so hart geworden war. Dann das Ranking: wir waren als zweite im Ziel eingetroffen, hatten es also geschafft und würden den „ Peking Express “ weiter erleben dürfen. Nun freute ich mich auch wieder, wir würden das schaffen! Die Kraft dazu würde auch wieder kommen, ganz sicher! Doch auf einmal beschlich uns eine schlimme Befürchtung, was wenn es die Mädchen nicht geschafft haben sollten? Unser Hals zog sich zu und dann die Verkündung: Susanne und Meik waren als dritte angekommen und damit waren die Mädchen draußen. Es trifft mich wie ein Schock, sofort schießen Tränen aus den Augen. Nein, nur das nicht. Nicht die Menschen die einem hier am liebsten geworden sind, die Menschen die wichtig geworden sind auf der Reise unseres Lebens, die Menschen mit denen man gemeinsam Kraft getankt hat wenn es mal wieder etwas enger wurde mit der Kraft und dem Willen. Sie waren so weit gekommen, waren so stark gewesen, keiner hätte geglaubt das die Mädls so weit kommen würden. Wir waren stolz auf sie, und doch wurde die Umarmung unendlich traurig. Marc und ich wären gern mit den Mädchen nach China gekommen …. Nach der Verabschiedung schlafen die verbliebenen drei Teams in der Turnhalle der Schule in der das Ranking stattgefunden hat. So richtig essen kann jetzt keiner, die Stimmung ist gedrückt, die Mädchen fehlen hier allen. Ich schlafe kaum und möchte noch immer heim, fühle mich hilflos meiner Kraftlosigkeit gegenüber – und doch wird es morgen auf eine neue Etappe gehen. In die Wüste Gobi. Ein weiteres spannendes Abenteuer das all unsere verbliebenen Kräfte fordern wird. Nun heißt es nach vorn schauen: die Mädchen haben uns uns noch einen kleinen Brief zugesteckt: „…. Wir denken an euch, ihr schafft das. Gebt nicht auf, Peking wartet auf euch!“ . Wir nehmen es zu Herzen und stürzen uns in die zehnte Etappe des „Peking Express“.

Bis bald in Saynshand!!!!!