Die 8. Etappe von Ulan-Ude nach Ulan-Bator


Die Mongolei ist eines jener ungewöhnlichen Länder, die fast jeder nur in Verbindung mit einem Klischee kennt: Es drängen sich Bilder wilder, blutrünstiger Horden von Reiternomaden auf. Dschinghis Khan ist das Erste, was den meisten bei diesem Land einfällt. Und auch wir waren schon voller Neugier für dieses Land, wenn auch ein wenig Angst vor dem Neuen mitschwang. Auch eine neue Währung bekamen wir hier in die Hand: 1 Euro waren ungefähr 1450 Tugrik.


Die ersten Eindrücke

Unserer Zeit daheim waren wir nun bereits sechs Stunden voraus. Nichts erinnerte hier an daheim, zu Russland hatte sich alles noch einmal mächtig verändert, es roch anders, die Menschen sahen anders aus, die Landschaften ähnelten der russischen in keinster Weise und der Himmel schien hier auch sein eigens Schauspiel eingeübt zu haben. Es war irgendwie ganz mystisch….


Das Rennen beginnt mit einer Teamtrennung

Wieder werden die Teams voneinander getrennt. Aber diesmal wird nicht wild gemischt, sondern die älteren Teammitglieder treten einen anderen Weg als die jüngeren Teammitglieder an. Jedes Teammitglied wird sich einem Bonusspiel stellen: der einzige Unterschied: die älteren Teammitglieder müssen zum Spiel trampen, die jüngeren Teammitglieder werden zum Spiel gefahren.
Wiedersehen würden wir uns erst am nächsten Tag, der Abschied fiel wie immer schwer, alle tauschten untereinander Essen aus, teilten das Geld auf und wünschten sich alles Gute. Marc und mir hing ein Kloß im Hals, alles hier war so neu und dann wurden wir gleich wieder getrennt. Aber nach den Erfahrungen des letzten Team Mix wussten wir, dass wir auch das schaffen können. Da hieß es nun Zähne zusammenbeißen und durch!


Anja darf Bogenschiessen – Huch!

Anja:
Die jüngeren Teammitglieder erreichen ihren Spielort als erste. Auf einem kleinen Berg soll nun ein Bogenschiesswettbewerb stattfinden. Ich muss lachen, Marc wäre für diesen Job viel besser geeignet, das kann ja was werden. Das letzte Mal das ich einen Bogen in der Hand gehabt habe, dass war vor ungefähr 15 Jahren auf meinem Kindergeburtstag. Mein Papa hatte dabei Papptiere auf eine Wäscheleine gehangen und wir Kinder durften die Tiere mit Pfeil und Bogen (mit Gummipfropf vorn drauf) abschießen. Dann konnte das hier ja nur lustig werden! „Eingeschult“ wurden wir dann von einem mongolischen Pärchen die in traditioneller Kleidung vor uns standen. In einiger Entfernung, vielleicht 4-5 Meter, stand die Scheibe aus getrocknetem Tierfell, aufgestellt auf einen Holzbock. Für den Probeschuss band uns die mongolische Frau mit einem Lederband den linken Ärmel ab. Das machte sie so gut, dass mein Blut ordentlich ins stocken kam und ich nicht wusste ob sie vielleicht wollte das man nur mit dem einen Arm ….? Der erste Schuss ging mal richtig in die Hosen, mein Pfeil kam nicht mal in die Nähe der Scheibe, das fing ja so an wie ich schon geglaubt hatte wie es ausgehen würde, uff. Der mongolische Bogen war irre schwer zu spannen, man musste eine Menge Kraft aufbringen und wenn man das dann geschafft hatte, zitterte der Arm wegen der Anstrengung. War aber wohl alles eine Frage der Übung. Vom Plateau des Berges aus hatten wir übrigens eine wunderbare Aussicht. Wir genossen die Stille sehr und bewunderten die Weite des Landes das hier noch sehr grün und saftig war. Langsam bekamen wir eine Ahnung was uns in den nächsten Tagen erwarten würde: unendliche Weite, viele neue Lebenserfahrung und Spiritualität wie wir sie bisher noch nicht erlebt hatten.
Dann begann das Spiel des Bogenschiessens und wir vier: Meik, Janine, Eva und ich, hatten jede Menge Spaß weil wohl keiner von uns der geborene Bogenschütze war. Nach drei Versuchen stand das Ergebnis fest: ich hatte das Spiel doch tatsächlich gewonnen! Was würde Marc stolz auf mich sein, ich freute mich schon auf sein Gesicht wenn er davon erfahren würde. Und dabei hatte ich mir bei meinem ersten Versuch vor lauter zittern die Sonnenbrille vom Gesicht geschossen – hmm, super Talent die Anja! Der Gewinn des Spieles bedeutete für uns übrigens einen Zeitvorsprung bei der Weiterreise nach Ulan-Bator. Kein schlechter Gewinn, ich war richtig happy.

Das erste Mal trampen in der Mongolei – ein Wunder geschieht

Marc:
Die älteren Teammitglieder mussten sich allein durchschlagen zum Kloster von Amarbayasgalant. Das war hart, denn ist es der erste Tag in einem fremden Land in dem keiner weiß wie das mit dem trampen hier sein wird.
Und das mit dem Trampen war jedenfalls einmal anders!!! War doch im zweiten Auto das anhielt meiner Meinung nach auf gar keinen Fall mehr Platz für mich und den Kameramann. Aber ich musste mich gleich davon überzeugen lassen, dass in der Mongolei das Wort „Sitzplätze“ keine weitere Bedeutung hat. Als wären 4 Mann nicht schon Besatzung genug bei dem alten Karren! Denkste… ich durfte samt Kameramann auch noch rein und die Mongolen haben sich gegenseitig auf den Schoß genommen … SUPER … das läuft ja gut an!! Eine Sache schien sich allerdings nicht zu ändern, denn ich hatte nach wenigen Minuten schon eine Flasche Vodka in der Hand - Begrüßungstrunk.
Dann kam allerdings die unliebsamste Überraschung: die Mongolen verstanden nicht ein Wort, nicht eine Geste, nicht eine Stirnrunzeln als Zeichen der Kommunikation. Na Halleluja, das kann ja heiter werden.
Mit den schlimmsten Befürchtungen machte ich mich auf die Suche nach einem neuen Fahrzeug. Alle zogen und zerrten an mir herum, doch niemand schien ein Wort zu verstehen. DENKSTE… dreht doch plötzlich ein riesen Toyota auf der Strasse um und ein rundes Gesicht strahlt mich an und fragt: „Brauchst du Hilfe?“ … Was ?? Das Gesicht ist auf jeden Fall mongolisch…. Aber die Aussprache fast mitteldeutsch …. Na ja auf jeden Fall Köln Ehrenfeld tauglich ;-).


Und so begann die unglaubliche Reise mit Doggi und Boggi (seiner Frau)!!!

Eigentlich wollten die beiden mich nur bis zur nächsten Kreuzung bringen, aber bis ich so richtig ausgestiegen war, hatte Doggi und Boggi das Rennfieber gepackt. Auf direktem Weg fuhren wir zum Kloster und DOGGI war siegessicher!! So siegessicher, das er mich noch unbedingt zum Essen einladen wollte und ich dankend annahm, da mein Magen außer Vodka noch nicht viel gesehen hatte. Nach dem Essen jagten wir also Richtung Kloster und Doggi, Boggi und ich waren uns unseres Triumphes schon gewiss, als ich am Horizont eine handvoll Autos auf das Kloster zujagen sah…. DENKSTE ERSTER … als letztes kamen wir an und Doggi und Boggi waren zu Tode betrübt. So betrübt, daß sie direkt beschlossen mit mir am Kloster zu übernachten und mich am nächsten Tag weiterzufahren. Ja, richtig gelesen! Die beiden haben sich einen Platz in einer wildfremden Jurte gesucht (Sie, Boggi, trug Chanel Schuhe) und als wäre das nicht genug, sorgten die beiden auch noch dafür, das in der Jurte für uns gekocht wurde. Und zwar für uns alle : Harald, Pia, Susanne und mich. Das war echt fantastisch!!!!


Ruhe finden im Kloster und das Hirn entspannen für das nächste Spiel

Abends bekamen wir dann von dem Obermönch eine Führung durch das Kloster Amarbayasgalant. Das war so fantastisch in seiner Ruhe und Schönheit, das ich jetzt schon wieder beim schreiben eine Gänsehaut bekomme. Im Großen und Ganzen ging es aber darum, sich möglichst viele Einzelheiten über das Kloster zu merken, die für das Amulettspiel am nächsten Tag wichtig sein sollten.
Die Nacht war super und das Erwachen noch viel besser. Waren doch direkt Doggi und Boggi da , die das Rennfieber in den Augen hatten. Nun musste ich nur noch durch das Amulettspiel, doch mein Gefühl war ganz gut. Im Spiel saßen wir Rücken an Rücken und mussten uns 3 Meter hohe Figuren von Klosterwächter anschauen und möglichst viele Details einprägen. Das war eine ganze Menge, denn die Wächter waren sehr bunt und die Details filigran. Dann wurden wir umgedreht, so dass wir unseren eigenen Wächter nicht mehr sehen konnten. Die Luft war zum zerreißen gespannt und es war totenstill. Frage um Frage flogen erst Susanne und dann Pia raus. Zwischen Harald und mir kam es zum Kopf an Kopf rennen. Unglaublich was man sich so alles in 5 Minuten merken kann. Patrice gingen auf jeden Fall die Fragen aus. Harald und ich hatten uns noch keine Blöße gegeben. Schnell wurden noch ein paar Details der Figuren heraus gesucht und abgefragt. Und dann war es Harald der sich um einen Zahn im Mund seines Wächters verschätzt hatte – Pech. Aber YES!!! für uns: unser erstes selbstverdientes Amulett.


Ein Tankstop den ich so schnell nicht vergessen werde

Doggi und Boggi waren natürlich auch stolz wie Oskar und nach unserer kurzen Wartezeit, die wir abzusitzen hatten weil wir am Vortag letzter waren, schossen wir auch schon los im Toyota. Wieder feste Strasse unter den Reifen neigte sich die Tankuhr im Toyota dem roten Bereich zu. Doggi steuerte zunächst eine Tanke an und nahm aber nur ein paar Liter auf. Ich dachte nicht weiter darüber nach und an der nächsten Tankstelle hielt Doggi schon wieder und diskutierte auffällig lange mit dem Tankwart, der schließlich den Wagen voll tankte. Doggi stieg strahlend ein und wir fuhren los. Doch irgendetwas war da nicht normal gelaufen und ich stellte Doggi zur Rede. Schließlich gab er zu, das die beiden am Tag zuvor ohne Geld in den Taschen mit mir losgefahren waren und deswegen hatte er gerade an der Tankstelle seinen goldenen EHERING als Pfand hinterlassen um genug Sprit zu bekommen um mich weiter zu fahren. Die Tränen standen mir in den Augen. Soll mir noch mal jemand etwas über Gastfreundschaft und Nächstenliebe erzählen!!! Das war mehr wert als der größte Preis eines erfolgreichen Rennens. Momente fürs Leben!
Wir brausten dahin und versuchten herauszufinden, wo sich Anja befand – denn wir hatten nur Koordinaten die angaben, dass sie sich irgendwo hinter einem kleinen Tunnel aufhalten musste. Aber wir würden das schon finden und das taten wir dann auch. Nach kurzer Begrüßung schossen wir los Richtung Tramp-Stop mit der Gewissheit, einen Vorsprung um Stunden herausgefahren zu haben. DOGGIE UND BOGGI SEI DANK!!!


Die Nacht auf einer Wiese irgendwo in der Mongolei


Anja:
Ich war zu diesem Zeitpunkt, mit den anderen jüngeren Teammitgliedern, nach dem Bogenschießspiel auf eine Wiese an der Strasse nach Ulan-Bator gefahren worden. Dort hatten wir Zeit Zelte aufzustellen und unser Lager zu bereiten. Vor unserer Nase ein Fluss, alles sah ganz ruhig und herrlich aus. Nach Wasser lechzend, ob zum waschen der Wäsche, kochen, sich selbst waschen oder einfach nur rumplantschen, trabten wir vier mit einem Eimer den wir bekommen hatten zum Fluss. Dieser war sehr flach und wir hatten einige Mühe den Eimer vollzubekommen. Und noch während wir schöpften trieben Kuhfladen an uns vorbei. Irritiert schauten wir uns an: aber na klar. Die Kühe hier weideten am Fluss und wenn sie im Wasser standen und tranken erleichterten sie sich eben auch gern. Pfühh, das heißt alles Wasser sollte feste abgekocht werden bevor wir es verspeisten. Beim Wäsche und Haare waschen machten wir keinen Unterschied, da konnte es auch das kalte Wasser direkt aus dem Fluss sein, über solche Kleinigkeiten machten wir uns keine Gedanken mehr. Die Nacht war dann ganz ruhig, wir hatten zwei Zelte, ich schlief mit Janine in einem Zelt und Eva schlief mit Meik in dem anderen Zelt. Am nächsten Morgen hatten wir nur eines zu tun: zu warten auf unsere Liebsten. Wann sie kommen würden stand in den Sternen. Wir saßen auf gepackten Taschen, genossen die Sonne und harrten der Dinge. Und dann die erfreuliche Nachricht: Marc kam als erster über den Rasen gelaufen. Das irritierende daran: hinter ihm kamen noch zwei Menschen gelaufen, eine sehr schöne Frau und ein Mann – beide eindeutig Mongolen die viel Spaß mit Marc hatten. Nach einer freudejauchzenden Begrüßung erzählte mir Marc nach Luft ringend, das Doggi ihn seit gestern schon fährt, und das er seinen Ehering versetzt hätte um genügend Benzin zu haben, und das er hier so viele Menschen kennt, und das er uns zu jemanden fährt bei dem wir übernachten können und und und. Marc war so außer Atem das ich nur die Hälfte von dem verstand was er mir sagte. Aber ich freut mich riesig, dass er das Amulett gewonnen hatte und er freute sich riesig das wir gleich weiter durften weil ich auch das Spiel gewonnen hatte, und wir nicht mehr warten mussten. Was für eine Aufregung!

Juhu wir sind unterwegs – Ulan-Bator wir kommen!

Am heutigen Tag kommt uns nur noch der Trampschluß in die Quere. Aber wir kommen genau noch rechtzeitig bei einem Freund von Doggi an. Der alte Mann mit demlangen weißen Bart begutachtet uns gebürentlich und wir danken ihm das wir bleiben dürfen. Wir bekommen etwas zu essen und leckeren Tee, dann sitzen wir alle an einem Tisch und erzählen wer wir sind und was wir hier tun. Doggi und seine Frausind noch immer bei uns und sprudeln auch nur so los, alle lachen viel und wir fühlen uns sehr wohl. Das Interesse an unserer Reise ist sehr gross, auch wenn es schwer ist sich verständig zu machen. Der alte Mann zeigt uns eine Landkarte mit den Zuggbieten der Mongolen und wir lauschen gespannt. Später müssen sich unsere Fahrer Doggi und Boggi wieder auf den Weg machen, Marc ist sehr traurig, hat er doch bis hierher soviel Zeit mit den beiden verbracht. Wir schenken ihnen den Gebetsschal den Marc im Kloster erhalten hat und schreiben Ihnen unseren Dank und unsere Namen drauf. Sie freuen sich sehr und wir umarmen uns alle noch einmal fest und vergessen auch das Erinnerungsfoto nicht. Das es in Russland so unglaublich liebe Menschen gab mussten wir ja auch erst einmal verstehen lernen. Aber das es hier in der Mongolei gleich so weitergeht das haut uns um.


Die erste Nacht in der Jurte

Mit unserem Gastpapa gehen wir dann auf den Hof, bisher hatten wir ja in seinem kleinen Rasthof gesessen. Dort steht die Jurte in der die Familie schläft. Wir reißen die Augen auf und merken: hey das wird unsere erste Nacht in einer mongolischen Jurte. Wie aufregend! Unser Gastvater und seine Frau zeigen uns gern die Jurte, die verschiedenen Betten, den Herd, die kleinen Schränke … alles total faszinierend. Gewaschen wird sich natürlich vor dem Zelt in einem kleinen Becken, auch das Klo ist wieder ein Plumpsklo – einfach ein Loch im Boden mit Brettern drum herum wo man sich draufstellt und um das Ganze ist ein Hütterl gebaut. Sehr zünftig, aber ok.
Die wichtigste Einrichtung in der mongolischen Jurte ist übrigens der Herd. Der runde Blechherd besitzt ein Rohr, das durch den Dachkranz nach draußen ragt, ohne dass das Rohr das Holz oder den Filz berührt. Dieser Herd hält die Wärme viel besser und es lässt sich auch einfacher auf ihm kochen. Allerdings kann von oben die Kälte in die Jurte ziehen, da der Dachkranz nicht ganz dicht gemacht werden kann. Die Rauchöffnung dient den Mongolen auch als Sonnenuhr. Ein Mongole weiß genau, um wieviel Uhr ein Sonnenstrahl auf eine bestimmte Stelle fällt.

Jeder Gast hat seinen Platz in der Jurte

Die linke Seite in einer Jurte ist die Seite der Frauen, des Haushaltes und der Familie; die rechte Seite ist die Seite der Männer und die hintere Seite die Ehrenseite. Die mittlere Seite ist für den Alltag bestimmt und die vordere, gleich neben der Tür, für die Arbeit, für nicht geehrte Leute, Tiere und Gegenstände. Der älteste Gast hat seinen Platz immer auf der rechten hinteren Seite. Dies ist der Ehrenplatz für männliche Besucher, die alle nach ihrem Alter gesetzt werden und nicht nach Rang in unserem Sinne. Eine geehrte Besucherin wird auf die linke Seite nach hinten gesetzt. Jüngere Mädchen sitzen neben der Tür auf der linken Seite. Und ja – wir durften hinten links auf einem kleinen Bett schlafen. Das wurde zwar ziemlich eng, aber es ging für diese eine Nacht. Wir bekamen noch ein warmes Essen das im Wok auf dem Ofen zubereitet wurde und waren ganz selig. Das war nun also die Mongolei, wir erwarteten mit Spannung die kommenden Tage.


Der nächste Tag bricht an

Am nächsten Morgen ganz früh geht es wieder weiter. Wir stehen an der Strasse und haben recht schnell Glück – das erste Auto was anhält nimmt uns auch mit. Eine Familie die zum einkaufen nach Ulan-Bator fuhr. Es ging langsam weiter und die Fahrweise des Mongolen war gewöhnungsbedürftig: er gab kurz Gas, kuppelte dann aus und ließ das Fahrzeug rollen, bevor der Wagen komplett zum stehen kam, kuppelte er wieder ein und gab Gas – um dann wieder auszukuppeln und zu rollen…. Sehr ulkig. Aber uns war es egal, wir fuhren und hatten endlich Zeit die Gegend zu betrachten. Und es war genauso wie man es mal irgendwo gelesen hatte: riesige Pferdeherden standen in der Steppe, jagten umher, man sah Jurten am Horizont, kaum Menschen, ein riesiger Salzsee erstreckte sich neben uns – es sah aus wie eine Schneedecke, die Strassen hier waren noch gut und es schien auch außer dieser einen Strasse hier keine zu geben – es war eben die direkte Verbindung nach Ulan-Bator, der Hauptstadt der Mongolei. Die Sonne schien und die sanften Berge im Hintergrund machten alles noch viel unwirklicher als es eh schon schien.


Ulan-Bator wir sind gleich da!

Alles was noch aufzuhalten schien war eine Autopanne die sich während der Reise einstellte. Da wir gleich einsahen das wir kaum helfen konnten, warteten wir ab und boten der Familie unsere Hilfe an falls wir was tun würden können. Aber einige Mongolen die unweit der Strasse ihre Vieherden weideten, halfen unserem Fahrer mit Kühlwasser aus. Und nach einer viertel Stunde ging es weiter – immer der Stadt entgegen. Mitten im Zentrum setzte uns die Familie dann ab – bis ans Ziel würden wir nun allein kommen müssen. Etwas ziellos schwirrten wir umher und fassten dann den einzig klaren Gedanken – unser Erspartes das wir immer von dem einen Euro pro Tag zurückgelegt hatten, mussten wir für ein Taxi nutzen. Und dieses fuhr uns dann auch ins Zielgebiet, zu suchen war eine festliche Jurte – eine Begegnungsstätte deren Namen scheinbar auch auf das große Hotel zutraf an dem uns der Fahrer absetzte. Das Problem: niemand hier schien diese große Jurte zu kennen.


„Dürfen wir ein Interview mit Ihnen machen?“

Die Nerven lagen dann schon ein wenig blank, wir rannten rund um das Hotel, fragten die Angestellten, schauten auf der Strasse nach, fragten Passanten. Aber nichts. Plötzlich tauchte hinter uns ein Kamerateam auf, es waren Russen denen wir schon in Kasan, der ersten Etappe in Russland, ein Interview gegeben hatten! Was für eine Überraschung. Sie fragten uns ob wir ihnen noch einmal ein Interview geben könnten. Nun ja – eigentlich mussten wir ja das Ziel finden und waren ordentlich im Stress. Aber wir wollten die Bitte nicht abschlagen und beantworteten die Fragen der russischen Presse. Und dann hetzten wir weiter, beide wollten wir nun doch endlich im Ziel ankommen. Und ja – das Glück war uns dann wieder hold – 200 Meter die Strasse herauf sahen wir das Zelt. Jubel!!!!! Als wir ankommen wird der Jubel noch mehr: wir sind die Ersten!!!! Wow, unfassbar, unsere Beine schlackern vor Aufregung und wir sind froh als wir uns setzen können.


Der Schluss

Janine hat heute Geburtstag und so freuen wir uns alle sehr als wir sie sehen und in den Arm nehmen können. Die Sonne scheint in Ulan-Bator, das Tent-Camp wartet und wir gehen schnell noch alle in einen kleinen Laden etwas kaufen um den Geburtstag feiern zu können. Mehr als eine kleine Cola und ein Snickers wird es von uns allen nicht als Geschenk – aber Janine freut sich riesig und meint das sei das beste Geschenk das sie je bekommen hat. In dieser Situation hatte sie sicher recht ;-). Morgen würden wir einen Tag frei haben – das heisst zwei Nächte Tentcamp. Wir haben das Lager an einem Fluss, es ist furchtbar romantisch, wir spielen Karten, jeder wäscht seine Wäsche, wir beobachten am Abend Reiter die ihre Pferde durch den Fluss treiben und fühlen uns einfach nur wohl – aber das Heimweh steigt wieder ein wenig an …. Nichtsdestotrotz sind wir alle stolz darauf so weit gekommen zu sein und erwarten mit Spannung die folgenden Tage in der Mongolei…..