3. Etappe von Ekaterinburg nach Omsk


Schon zu Beginn der Etappe verrät uns der Moderator Patrice, dass es beim Amulettspiel dieser Etappe eine Schlammschlacht im wahrsten Sinne des Wortes geben würde. Wir ahnten schon böses aber ließen uns erstmal nicht davon beeindrucken und freuten uns auf die nächste Etappe. Da alle Teams am Anfang gleichzeitig an derselben Strasse standen und trampten, zog es sich ein wenig bis jeder ein Auto gefunden hatte. Zuerst nahm uns eine kleine Familie mit bis zu der Abzweigung die wir nehmen mussten.

Reise mit dem Partybus zum ultimativen Swing Jump Sprung
Dort standen wir dann auch nicht lange – ein kleiner Reisebus kreuzte unseren Weg und sah uns wild winken. Er hielt dann auch und schon vernahmen wir englische Wortfetzen und freuten uns in der Hoffnung, uns eher verständlich machen zu können statt mit unseren paar Worten russisch. Im Bus saßen lauter jungen Leute die super Laune hatten und scheinbar auf Partytour waren. Es waren alles Studenten mit laufender oder fertiger Banklehre und hatten den Bus für einen Tag gemietet um zu der Brücke zu fahren, an der Marc wenig später den ersten Swing-Jump Sprung seines Lebens machen sollte. Die Studenten waren alles Freunde die in verschiedenen Banken arbeiteten und zwei von ihnen verließen Russland um im Ausland zu arbeiten. Die Fahrt sollte eine Art besondere Abschiedsparty sein. Im Bus herrschte ausgelassene Stimmung und die Russen waren total begeistert von der Idee des „Peking Express“. Sie hatten bereits in den regionalen Radiosendern davon gehört und waren jetzt sehr aufgeregt, dass sie ausgerechnet ein Paar dieser Sendung aufgegabelt hatten. Wir tauschten Adressen aus und erzählten einander von unseren Erlebnissen und Leben in Deutschland und Russland. Als wir bei der Brücke ankamen, überraschten uns die Jungs und Mädels mit gesammeltem Geld. 850 Rubel hatten sie heimlich für uns in ein Tuch getan weil sie meinten, mit unseren 2 Euro am Tag kann man nicht gescheit überleben. Und wir sollten uns die Weiterfahrt erkaufen und die dadurch gewonnene Zeit nutzen, um mit ihnen von der Brücke zu springen. Marc bekam ganz glänzende Augen und uns war klar: er musste springen! Die Rennzeit war uns in diesem Moment egal, auf die Erlebnisse kam es uns an. Und den Menschen auch eine Freude zu machen die uns schon so sehr weitergeholfen hatten. Die Freude auf beiden Seiten war groß als wir zusagten, wenngleich ich auch ein wenig Angst um Marc hatte. Aber Marc hat bedingt durch seinen Job viel Erfahrung mit Extremsportarten und meinte nach dem eigenhändigen checken der Seile und Seilverbindungen das alles okay und sicher ist. Sein Spaß daran und der Jubel unserer neuen Freunde war genug Beweis dafür, dass wir genau das Richtige getan hatten. Und sicher war die Weiterreise nicht unproblematisch, da müssen wir nichts schönreden. Wir fanden lange kein Auto, mußten viel laufen und es wurde eher stressig. Und auch wenn wir wussten das die Teams alle am Spielort zusammengeführt wurden, so durften wir bei der Weiterreise vom Schlammspielort erst als vorletzte starten (da wir auch als vorletzte am Spielort angekommen waren), was einen Zeitverlust von 50 Minuten auf die Erststartenden Harald und Eva bedeutete. Aber es hat sich gelohnt!

Ein Hallo irgendwo in Sibirien mit Stefan und Steffen
Auf der Weiterreise trafen wir dann auf Stefan und Steffen die sich einer Hochzeitsgesellschaft angeschlossen hatten und dem Brautpaar zufeierten. Wir riefen über den Platz und beide freuten sich und kamen rüber. Nach einem kurzen Austausch der Erlebnisse entschieden wir uns alle weiterzutrampen. Da Stefan und Steffen als erstes an der Stelle an der wir standen angekommen waren, durften sie auch als erste Autos anhalten. Diese kleinen Codes versuchten wir untereinander einzuhalten, die meisten von uns sind Sportler und zählen diese Dinge zur sportlichen Fairness. Sicher wurde es nicht von allen Teams praktiziert, aber für uns war es wichtig und wir hielten das auch durch. Marc und ich liefen also die Strasse weiter während Stefan und Steffen schon versuchten Autos anzuhalten. Nach wenigen Minuten dann ein Hupen hinter uns: die Jungs hatte einen Kleinbus angehalten und hatten noch Platz für uns. Super toll! Das war fein und machte so gleich noch mehr Spaß. Und nach einigen Kilometern nahmen Steffen und Stefan dann auch noch Norbert und Klaus mit. Wenn man nun glauben möchte das wäre rein „renntechnisch“ unschlau gewesen, dann können wir hier nur sagen, dass dieses Detail keinerlei Beachtung fand. Es war eine Reise, in diesem Moment und in den meisten anderen auch. Und es gab die wenigen Momente wo man das Rennen nicht aus den Augen verlor, aber dort in dem Kleinbus mit sechs Teammitgliedern hatten wir einfach nur Spaß und genossen die gemeinsame Reise.

Sechse zogen durch die Welt – und schliefen im Pfarrhaus
Kurz vor Tramp-Schluss stiegen wir in einem kleinen Dorf aus um dort eine Bleibe zu suchen. Sicher wären die Jungs auch weitergefahren und hätten in der Wiese geschlafen, aber wenn man es verhindern kann sollte man das auch wahrnehmen. Und so kauften wir im Dorfkonsum noch ein paar kleine Leckerlis und suchten dann die Kirche des Dorfes. Wir erhofften uns dort am ehesten ein Lager für die Nacht. Nur leider war die Kirche noch im Aufbau begriffen und einen Pfarrer fanden wir nicht. Dann kam eine alte Frau auf den Hof und fragte nach unserem Anliegen. Es stellte sich heraus das die Dame den Pfarrer versorgt und sie ihm Bescheid gibt das er kommen soll. Er kam dann auch und stellte uns seine kleine Pfarrhaus-Stube zur Verfügung. Aber nicht ohne mir, der einzigen Frau, zu erklären wo ich für die Männer Wasser holen konnte, wo ich für die Männer kochen konnte, wo ich für die Männer den Tisch decken konnte, wo ich für die Männer Tee herbekam. Seufz, ja hier war die Zeit wirklich noch stehengeblieben, von Emanzipation keine Spur. Aber zum Glück sahen das die Männer anders und so deckten wir den Tisch gemeinsam und hatten einen geselligen Abend zusammen. Ok, die Nacht wurde immer wieder unterbrochen von schnarchenden Reisenden, aber das war halb so schlimm.

Das Schlammbad wartet …
Am nächsten Morgen ging es dann ab Richtung Schlammbad – äh, nein, Heilbad muss das heißen. Dort angekommen waren wir die vorletzten, die Mädels hatten es erst gar nicht zum Spiel geschafft. Bei 20 Grad standen wir dann an der Grube. Der Schlammgrube. Auf dem Schlamm hatte sich obendrauf eine Kruste gebildet die zum Glück noch nicht auf den darunter liegenden Geruch schließen ließ. Und dann kam der Startschuss und nachdem die ersten Teilnehmer im Schlamm versunken waren kam auch der leckere Geruch hoch. Au weia, so viel Schwefel mit einmal riechen, das tat meinem ziemlich leeren Magen nicht gut. Marc fand es auch nicht wahnsinnig kurzweilig, aber denn doch nicht so schlimm wie ich. Aber um ihm trotzdem zu helfen, flitzte ich zum Eimer um den Schlamm loszuwerden und so wenigstens ein wenig zu helfen unseren Eimer halbwegs voll zu bekommen – das Marc viel schneller war und den Bärenanteil beitrug war kein Geheimnis. Aber auch das Spiel war irgendwann zu Ende, die Mädchen mittlerweile am Spielort angekommen und alle Teams konnten weiterreisen. Die Weiterreise an diesem Abend erwies sich als Geduldsprobe. Aber schlussendlich hielt Marc einen Laster an der uns noch ein Gutes Stück weit brachte. Dann liefen wir noch zu dem circa 3 Kilometer entfernten Dorf und wurden von einer netten Kleinfamilie aufgenommen.

Auf nach Omsk!!! Auch trotz anhaltender Regenfälle.
Am nächsten Tag starteten wir im Regen. Nicht das man sich nicht längst daran gewöhnt hätte, aber es schüttete recht heftig. Aber unser Gute-Laune-Barometer blieb erstmal oben, so lange standen wir ja noch nicht an der Strasse. Und kaum eine dreiviertel Stunde später hielt ein Kleinlaster an. Marc musste hinten unter der Plane im Laderaum Platznehmen und ich saß vorne bei dem Fahrer. Der Fahrer freute sich sichtlich ein wenig Unterhaltung zu bekommen und konzentrierte sich zeitweilig mehr darauf als auf die Strasse – so machten wir nicht selten aus einer zweispurigen eine dreispurige Strasse. In Anbetracht der Tatsache das Marc hinten in dem Laster stand und durch die Holzplanken des LKW Bodens jeden Regenschwall der Strasse abbekam wenn wir durch metertiefe Schlaglöcher fuhren, war ich ein wenig nervös. Nicht wegen dem Rennplatz auf dem wir lagen, das sahen wir gelassen denn wir waren ja relativ schnell vom Platz gekommen, aber wegen der Sicherheit machte ich mir Sorgen. Der junge Fahrer merkte von all dem nichts und erzählte mir mehr von seiner Familie. Ich fragte ihn dann kurz vor Omsk ob er bereit wäre uns auch zum Sibirischen Kulturzentrum zu fahren. Er nickte und meinte das kennt er. So verließ ich mich auf seine Aussagen und dachte mir, dass Marc und ich aufkommende Probleme auch noch später lösen könnten. Kurze Zeit später standen wir doch tatsächlich vor dem Kulturzentrum und konnten es kaum glauben. Marc war über und über mit Schmutzwasser bedeckt und schaute ziemlich k.o. aus. Aber auch er freute sich das wir schon am Ziel waren, als erstes Team – mit nur einem Auto an diesem Tag. Das sollte ein Rekord auf unserer Reise bleiben!