Die 10. Etappe von Choyr nach Sainshand

 

Jetzt sind wir nur noch drei Teams. Fünf Teams sind schon wieder daheim während wir auf den Start in die 10. Etappe warten. Nach 36 Tagen wartet nun auf uns die Wüste Gobi. Marc war zuvor schon in Marokko in der Wüste und mochte das sehr gern, ich war schon in Nordafrika in der Wüste und hatte daran nicht so gute Erinnerungen. Die Meinungen zur nächsten Etappe waren bei uns gespalten und das Unwohlsein im Bauch nahm angesichts der unerwarteten Situation zu. Das hier sollte noch einmal um so vieles anders werden als unsere bisherige Reise – auch wenn das Kreuz einer Ausscheidungsetappe diesmal nicht über unseren Köpfen hing.

Die zehnte Etappe beginnt: mit einem Wüstensturm und einem Kamel

6.30 Uhr heisst es Aufstehen zum Auschecken zum Abflug in die Wüste. Unsere Knochen schmerzen ganz übel, die Kilometer der letzten Tage hängen uns sehr nach. Mein Kopf dröhnt, ich fühle mich schlapp und auch Marc hat mit sich zu kämpfen. Der Abschied von den Mädchen macht noch immer traurig und sie fehlen schon jetzt. Das erste Tentcamp ohne das Lächeln der Mädls am Morgen. Im Kopf musste ich das erstmal verarbeiten, aber es würde schon gehen. Am Bahnhof von Choyr wartet ein Kamel und sein Führer auf uns. Wir bekommen erklärt das wir in den nächsten zwei Tagen 30 Kilometer im Wettkampf gegeneinander alle auf einen Punkt, zur Wasserstelle Oshin Else, zulaufen würden. An unserer Seite ein Kamel: wir mussten alle lachen und freuten uns auf diese außergewöhnliche Begleitung. Der Führer erklärte uns wie wir das Kamel zum sitzen bringen konnten und zeigte uns die Beladung des Kamels. Nun sollten wir mit dem Hubschrauber in die Wüste geflogen werden – aber ein Sturm über der Wüste machte ein Starten des Helis unmöglich. Und so konnten wir nichts weiter als warten am Bahnhof von Choyr. Dann die Entscheidung das wir mit Kleinbussen nach Mandalgov, der letzen Stadt vor der Wüste Gobi (hier kommen viele Touristen her, starten von hier aus die Wüstentouren) gebracht werden würden. Eine Höllenfahrt über die Buckelpiste beginnt, man vertreibt sich die Zeit mit Rätseln und „Ich-seh-was-was-du-nicht-siehst“ Spielen. Nach sechs Stunden erreichen wir die Wüstenstadt und fallen erschöpft in die zur Verfügung gestellten Hotelbetten.

 

Ein plötzlicher Grippenanfall als Ende unserer Reise?

In der Nacht bekommt Marc Schüttelfrost und einen Grippeanfall mit Fieberschüben. Der schnell herbeigerufene Teamarzt behandelt Marc sofort mit Antibiotika und ich wachte mehr an seinem Bett als das ich selbst schlief. Wir wussten beide, dass wir das Rennen abbrechen würden wenn es Marc am Morgen nicht besser gehen würde. Oh Gott, das war alles andere als ein gutes Zeichen für einen Gewaltmarsch durch die Wüste.

Aber am Morgen ging es Marc tatsächlich ein wenig besser, er fütterte sich selbst mit Tabletten und versuchte im Bus auf dem Weg zum Heli noch ein wenig zu ruhen. Die Sonne schien und unsere Nerven beruhigten sich wieder ein wenig. Die Sicht aus dem Heli ist atemberaubend, endlose Weite und nichts an was sich das Auge festmachen kann: nur Sand, Sand, Sand. Die Wüste Gobi erstreckt sich von Kirgisien und dem Hochland von Pamir im Westen bis zur Mandschurei im Osten. Im Norden reicht sie bis Sibirien, im Süden fast bis zur Chinesischen Mauer. Sie umfasst einen großen Teil der Mongolei. Die Wüste ist rund 2000 km lang und erreicht eine größte Breite von über 1000 km. Mit einer Fläche von mehr als zwei Millionen Quadratkilometern ist sie fast zehnmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Kein Wunder also, dass Marco Polo glaubte, man brauche ein ganzes Jahr, um die Wüste Gobi zu durchqueren. Wir hätten das in diesem Moment ohne weiteres sofort unterschrieben.

 

Kamel Moppy erwartete uns

Unser Kamel wartete an der Absetzstelle bereits auf uns und wir nannten es, nach alter MarcundAnja Tradition ;-), Moppy! Der Name schien ihm zu gefallen und voller Freude rotzte er Marc erstmal ins Gesicht – sicher eine freundschaftliche Geste dachten wir uns, hihihi. Dann begann das Bepacken, kein so leichtes Unterfangen, aber Moppy hielt still und murmelte nur ab und zu mal vor sich hin. Die Kamerabegleitung fuhr mit einem Kleinbus, in dem sich auch der Führer des Kamels befand. Von ihm wurde vor Antritt der Reise noch einmal überprüft, ob das Kamel gut gesattelt worden war, um dem Tier nicht weh zu tun. Aber danach waren wir auf uns allein gestellt. Und so stapften wir los – die Richtung aus der wir liefen hatten wir vor dem Abflug mit dem Heli ausgelost, jeder durfte einen kleinen Zettel ziehen. Wir hatten den Süden gezogen, keine super gute Ausgangsposition, kommt der Wind in der Gobi doch immer von Norden. Also wussten wir schon am Anfang, dass wir immer gegen den Wind laufen würden. Marc machte das wenig aus, aber ich bin bekennender Weise kein Kind des Windes und fühle mich nicht sehr wohl bei ständig wehendem Wind. Aber davon wollten wir uns die Laune nicht verderben lassen, Marc ging es wieder besser und Moppy war guter Dinge – also ab in die Wüste!

 

Die Wüste als extreme Grenzerfahrung

Zur Verfügung hatte jedes Team ein GPS Gerät, auf diesem wurde die zu gehende Richtung, die Geschwindigkeit und die verbleibenden Kilometer angezeigt. Bruno Baumann der 2003 in einem Gobi-Solo-Projekt allein die Wüste zu Fuß bezwungen hat sagte einmal: "In der Wüste wird der Mensch mit extremen Grenzsituationen konfrontiert, auf die sich nur der einlassen darf, der sein Leistungsvermögen genau einzuschätzen vermag". In dem Moment in dem wir landeten wussten wir nicht, ob unsere Kraft für den Marsch durch die Gobi noch ausreichen würde. Aber versuchen wollten wir es. Das Wetter war derweil noch ganz gut: zwar wahnsinnig heiß und auch der Wind vermochte kaum Abkühlung zu geben – aber es ist gut zum aushalten. Der feine Sand fliegt uns ständig ins Gesicht und die vertrockneten Sträucher am Boden zerkratzen uns die Beine. Wir gehen schnell, dem Kamel scheint es nichts auszumachen. Ich halte das Tier und Marc das GPS: klassische Geschlechterteilung halt, der Mann die Technik, die Frau das Getier ;-). Es ist ein wenig wie im Traum hier draußen in der Wüste, wir ganz allein, nichts weit und breit, nur Sand, Wüste – und wir …

 

Jeder Schritt ein kleiner Kraftakt für sich

Unser Wüstenschiff geht zügig und schwankt sehr ulkig bei jedem Schritt hin und her, scheint mit sich und der Umwelt eins zu sein. Die Bodenbeschaffenheit wechselt ständig, von ausgetrockneten Flussbetten, durch tiefen Sand über steinige Gräserlandschaften. Mal scheint der Boden hart, sieht krustig aus, aber wenn man ihn besteigt dann bricht man bei jedem zweiten Schritt ein – das raubt Kraft. Jetzt nimmt der Wind zu – klar, Gegenwind. Wir laufen noch immer mit 6-7 km/h. Die letzte halbe Stunden reite ich auf Moppy, meine Beine sind schon so müde, die letzten drei Tage sind wir ungefähr schon 50 Kilometer zu Fuss gelaufen – das hatte ich in der Form noch nie vorher gemacht, zumal wir bei den ersten zwei Mongolei Etappen auch noch den Rucksack selbst auf dem Buckel tragen mussten. Das nahm uns hier in der Wüste der gemütliche Moppy zum Glück ab. Das reiten auf dem Tier war wundervoll, ganz warm, ganz weich und sehr beruhigend durch das Geschaukel. Eine tolle Art der Fortbewegung!

 

Unsere erste Nacht in der Wüste

Zum Hikeschluss befinden wir uns natürlich noch immer in der Wüste, wir haben heute 20,5 Kilometer geschafft und suchen nach einer geeigneten Stelle in der Wüste für unser Nachtlager. Aber na ja, mal ganz ehrlich, viel zu suchen braucht man da nicht, schaut ohnehin alles gleich aus. Moppy fängt gleich an zu futtern und wir entladen ihn, scheint ihm zu gefallen. Die Sonne geht langsam unter und wir bekommen ein wenig Holz gestellt und Marc macht sich in die Arbeit eine Feuerstelle zu errichten. Ich packe die Felle und Decken aus und breite sie am Boden aus. Dann essen wir ein wenig Weißbrot (brrr, das konnten wir nun langsam nicht mehr sehen, war aber immer das billigste Brot und überall zu haben) und Wurst, auch nicht sehr lecker, aber was solls, wenn man Hunger hat isst man eh alles. Wir finden in den Untiefen unserer Tasche noch eine Sardinenbüchse aus Russland – alles klar, die vernichten wir auch noch. Wir fühlen uns sichtlich wohl, finden Moppy auf einmal ganz süss, wie er da so friedlich grast, sehen neben uns den Berg der Oshin Else Wasserstelle, er scheint ganz nah, aber das Navi sagt was anderes. In hundert Meter Entfernung hinter uns hat das Kamerateam seine Zelte aufgeschlagen, klar – Hotels gibt es hier keine mehr für die Produktionsbesatzung. Wir atmen in die klare kühle Luft der Wüste Gobi hinein und zählen Sterne bevor wir einschlafen. Gute Nacht Gobi!!!

 

Frühstücken im Laufschritt und ein störrischer müder Moppy

Am nächsten Tag ist 6 Uhr aufstehen angesagt, keine nette Zeit zum erwachen, aber was solls. Marc ist bester Laune, aber unsere Beine schmerzen königlich. Fühlt sich wahrlich nicht so an als wenn unsere Stelzen noch weitere zehn Kilometer durchhalten würden. Beim erwachen frage ich mich zum ersten Mal ob es hier eigentlich giftige Tiere gibt? Gestern haben wir so viele nicht gesehen – abgesehen von Moppy natürlich. Eigentlich sind wir nur ständig an Gerippen vorbeigekommen, und das waren nicht wenige. Und einmal hatten wir Reiter mit einer Herde Pferden gesehen, aber sonst? Wir erinnern uns das Marco Polo einst gesagt hatte: in der Wüste gebe es keine Tiere. Und man ist wirklich sehr erstaunt, wenn man in diesem unwirtlichem Gebiet überhaupt Leben findet.  Bevor man hier Zelte aufschlägt, untersuchen die Menschen den Wüstenboden genau. Sie fürchten die Wüstenschlangen, die durch ihre gelbe Farbe im Sand fast nicht zu sehen sind und sich mit großer Vorliebe in die Wagenspuren legen. Diese Information haben wir aber erst nach unserer Reise gelesen – nun denn, passiert war passiert, und beißen hätte uns bei unserem „leckeren Geruch“ eh kein Tier wollen. Man findet in der Gobi indessen aber auch Antilopen, Ziegen, Wildesel, Wildschafe und das Prschewalskipferd. Seinen Namen erhielt es nach dem russischen Asienforscher N. M. Preschewalski, der diesen direkten Nachfahren der ältesten Pferderassen als erster beschrieb. Nagetiere und Echsen findet man in der Gobi natürlich auch. Frühstücken tun wir während des Laufens – das besatteln von Moppy hat ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen. Es gibt wieder urfettige Leberwurst auf einem Kanten Weißbrot, hmmm, nicht das Beste auf nüchternen Magen, aber es geht. Wir versuchen das Eiltempo von gestern fortzusetzen, aber so richtig gelingen mag es nicht: Kamel Moppy hat keinen Bock und ist eher auf ein gemütliches Sonnenbad als auf das stressige Wüstenlaufen eingestellt. Wir treiben es an, reden auf das Tier ein, singen ihm etwas vor, klopfen ihm auf den Po, laufen ihm voran … aber es nützt kaum etwas. Das Bild das sich nun ergibt ist für die Götter – Marc läuft voran, über seiner Schulter die straff gezogen Leine von Moppy, dahinter ich, das Kamel mit einem Stöckchen antreibend. Trotz der Anstrengung müssen wir lachen.

 

Ein Sandsturm erschwert die ohnehin schon unendlich erscheinenden Kilometer

Leider zieht jetzt ein riesiger Sturm auf, das Laufen ist mit den wechselnden Bodenbedingungen ohnehin schon schwer, aber der Sturm macht es fast unmöglich. Marc ist noch kräftig, ich bin am jammern, der Wind zerrt an meinen Nerven, meine Beine zeigen an das keine Kraft mehr da ist, aber da Moppy ohnehin schon so langsam geworden ist, will ich ihm mich auf seinem Rücken nicht auch noch zumuten. Die letzten 650 Meter zur Wasserstelle werden zu den längsten in unserem Leben: der Sturm, die Beine, das mittlerweile störrische Tier, die unendlich scheinenden Meter … ein Horror! Aber dann doch – endlich am Ziel. Hier gibt es nur eine Pumpe und eine Holzrinne aus der die Tiere trinken, am besten legen wir uns gleich dazu! Uns geht es schlecht, der Sand steckt im Hals, wir fühlen uns wie gerädert. Aber das Amulettspiel wartet schon!

 

Ein Amulettspiel das uns tatsächlich noch weiter an unsere Grenzen gehen lässt

Wir müssen eine 60 Meter hohe Düne rauflaufen auf deren Spitze pro Team drei Puzzleteile versteckt sind. Diese müssen dann, mit den bereits vorhandenen drei Puzzleteilen am Fusse der Düne, zusammengesetzt werden zu einem dreidimensionalen Kreuz. Wir bekommen das Zusammensetzen des Würfels einmal von einer Mongolin gezeigt – alles klar, das wird echt kompliziert, das merken wir gleich. Zudem bin ich kein geduldiger Mensch was solche Rätsel angeht, aber Marc ist dagegen ein echter Fuchs in so etwas. Ich bin frohen Mutes, dass er das Rätsel lösen wird. Aber zuerst müssen wir die Düne rauf! Mittlerweile ist ein Sandsturm aufgekommen, die Spitze der Düne ist kaum zu erkennen, nur Sand wohin das Auge reicht, es schmerzt im Gesicht und ist unangenehm. Marc wird die Düne zwei Mal rauflaufen und ich einmal. Die Düne bei diesem Sturm hinaufzuklettern zerrt an den Kräften, den Sand haben wir mittlerweile in allen Poren stecken. Unsere Augen bestehen nur noch aus Sand, der Mund mahlt nur Sand, Speichel scheint keiner mehr vorhanden zu sein. Das Ganze wird so anstrengend das wir Blut im Mund schmecken, die Luft bleibt fast aus und das atmen wird mit jedem Gramm Sand in der Luftröhre schwerer. Aber nichtsdestotrotz macht das Spiel Spass! Ja wirklich, diese Art der Anstrengung war gut, hat Spaß gemacht, die eigenen Grenzen noch einmal erweitert, wir alle haben Kräfte mobilisiert von denen wir gar nicht wussten das wir sie haben! Eine irre Erfahrung. Zum Schluss gewinnen wir das Spiel: wie ich mir schon dachte schafft es Marc das Puzzle zusammenzufügen. Wir freuen uns wie kleine Kinder – eine echte Erleichterung nach den Strapazen der letzten Tage.

 

 

Rückkehr nach Mandalgov und ein humorvolles Schaf

Jetzt geht es zurück nach Mandalgov, der letzten Stadt vor der Wüste. Unsere Augen sind total verklebt von Sand, wir sind müde und unsere Gesichter sind gezeichnet von den Anstrengungen der letzten Stunden. Und nun erwartete uns hier noch eine Aufgabe: jedes Team bekam ein Schaf das nun noch am Abend in der Stadt verkauft werden sollte. Dieses Geld sollte dann eingesetzt werden, um sich eine Reise in das Zielgebiet Saynshand zu erkaufen. Klang sehr lustig, war aber für uns auch sehr anstrengend da keiner mehr die nötige Kraft besaß und eigentlich nur noch schlafen wollte. Aber da galt kein zaudern oder meckern – ran an die Schafe hieß es! Unser Schaf machte gleich einen auf „toter Mann“ als es uns sah, Haralds Schaf fuhr die Füsse ein und Susannes Schaf machte unter sich. Mensch war das mal ne Begrüßung! Da hatte ja jemand Bock auf uns Reisende, man o man. Ich lachte mich schlapp und das Schaf dann anzutreiben war ungefähr eine Million Mal schwerer als Kamel Moppy zum schneller gehen zu bewegen. Denn wie wir lernen mussten lässt sich ein Schaf nicht eben mal so einfach an der Leine führen – ne ne ne. Das sind schon sehr eigensinnige Tierlein. Wir nennen unser Schaf wieder Moppy und versuchen es zum laufen zu bringen. Uns ist klar das die Aufgabe nicht leicht sein wird: ausländische Backpacker versuchen an Einheimische ein Schaf zu Höchstpreisen zu verkaufen – klingt nicht so erfolgsversprechend …. Moppy schmeisst sich derweil permanent auf den Boden und wir ziehen und zerren es wie die Wilden. Huch – kann mal jemand bitte das Schaf kaufen??? Unzählige Erklärungsversuche später (wir sprechen ja kein Mongolisch, niemand von uns, und englisch verstand man hier noch schlechter, aber mit deutsch und vielen Gesten und Mimik kam man am ehesten weiter) fanden wir eine Familie die uns das Schaf zum Preis von circa 16 Euro abkaufte. Juhu, juhu, juhu!!! Wir waren happy. Das Schaf wurde sofort in eine Hütte gebracht und es war klar das es nun wohl direkt den Weg in den Kochtopf finden würde – uuups, das wollten wir eigentlich nicht, aber Schafe als Haustiere scheinen hier nicht besonders geläufig.

 

Gemeinsam reisen macht stark – und ist erfolgsversprechender!

Wir treffen dann auf Susanne und Meik die noch immer dabei sind, ihr Schaf an den Mann oder die Frau zu bringen. Da die Preise für die Schafe nicht sehr hoch sind, entscheiden wir uns morgen gemeinsam den Weg nach Saynshand anzutreten. Wir haben noch immer niemanden gefunden der bereit war uns zu fahren, aber gemeinsam würden wir es schon schaffen. In solchen Situationen spielt der Wettbewerb auch nur noch eine untergeordnete Rolle, man möchte aus der Stadt kommen und wenn man sieht es geht allein als Team kaum, dann schließt man sich eben zusammen. Die sportliche Fairness ist wichtig, und Teamplay hatte bei der gesamten Reise schon immer Vorteile gehabt. Nachdem wir mit vereinten Kräften das Schaf von Susanne und Meik verkauft hatten, suchten wir auch gemeinsam ein Nachtlager und schlafen in dem Hotel der Stadt, wir bekommen zwar kein Zimmer, aber dafür einen großen schönen Konferenzsaal. Die Stimmung ist ausgelassen, wir essen gemeinsam Abendbrot, spielen dann noch ein wenig Karten und schlafen beruhigt ein.

 

Jede Menge Hunde aber keiner der nach Saynshand fahren mag

Am nächsten Morgen ist es kalt, und erst einmal treffen wir auf kein Auto. Wir gehen zum Kreisverkehr der Stadt, hier schien es nur einen zu geben wie wir gestern bei der Ankunft festgestellt hatten. Doch außer ganzen Rudeln von Hunden zeigt sich hier nichts und niemand. Und es sollte eine halbe Stunde dauern bis die ersten Autos anrollen – ein fahrbares Gefährt zu sehen sollte also kein Problem sein – eines was nach Saynshand fährt schon … Denn die kreuzenden Autos brachten alle nur ihre Kinder in die Schule, helfen konnten sie uns nicht. Nach einer halben Ewigkeit hält dann doch ein Wagen an, er nimmt unser ganzes Geld und das Taschenmesser von Meik und dann dürfen wir einsteigen. Aber da der Begriff „Rennen“ in der Mongolei nur wenig Bedeutung hat, machen wir auch erst eine kleine Stadtrundfahrt: holen die Frau ab, fahren zur Schule und nehmen dort Leute mit, fahren nach Hause zurück um Sitze ein und auszubauen, fahren zum Nachbarn auf einen Plausch, fahren wieder zur Straßenkreuzung um Leute einzupacken – und dann, ja dann geht es endlich los! Ok, unsere Nerven waren nun schon ein wenig angeschlagen, aber wir sind alle froh überhaupt in einem Auto zu sitzen. Die zugestiegenen Fahrgäste erklären uns, dass dieses Auto auf dem Weg nach Peking ist – zum einkaufen … immerhin noch 800 KM! Was für ein Zeichen, wir freuen uns alle riesig und wollen am liebsten gleich sitzen bleiben und bis ans Ziel düsen. Das erste Auto was wir treffen das direkt nach Peking fährt – was für ein Tag, wow.

 

Atemberaubende Eindrücke und eine tolle Ankunft am Ziel

Die 360 Kilometer in dem Wagen sind heftig. Wir werden durchgeschüttelt wie Popcorn, danken unseren Bandschieben für die geleisteten Jahre und versuchen der Übelkeit im Magen keine Aufmerksamkeit zu zollen. Wir sehen Wüstefüchse, Antilopen und Pferdeherden – einfach hier, ganz frei, mitten in der Wüste Gobi. Das Gefühl ist toll, wir fühlen uns wohl. Zwischendurch ein Stopp wegen einer kleinen Panne, aber Sorgen machen wir uns deswegen schon lange nicht mehr – die Menschen hier und in Russland sind wunderbare Automechaniker und wissen auf jedes auftretende Problem anscheinend eine Antwort. Das einzige was man tun muss ist warten, und das konnten wir zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon gut genug. Wir vier machen vor dem Auto Spässe, Meik schenkt mir eine kleine Echse, ich kreische: nicht vor Angst, sondern einfach weil es befreit und ich Spaß an diesem Tag und dem Humor unserer Teams hatte. Nach sechs Stunden kommen wir am Zielpark an und gehen gemeinsam auf die Statue zu. Zu viert und mit einem kräftigen Sprung landen wir auf der Matte – geschafft! Wir sind die ersten und werden morgen, zum Start der ersten China Etappe, eine halbe Stunde Vorsprung erhalten. Juhu! Den Tag beenden wir mit Spagetti und Thunfisch und sagen leise:

 

Danke und Tschüß Mongolia!!!!!