Meine Kindheit und die Sache mit dem Halstuch
Geboren wurde ich in der ehemaligen DDR. Natürlich war ich auch Jung- und Thälmannpionier, habe die Pionierbluse mit dem Abzeichen und das blaue und rote Halstuch mit Stolz getragen, habe mit dem TimurTrupp alten Menschen geholfen und für den Emmy-Preis Altstoffe mit meiner Klasse gesammelt. Auch ich habe die zehn Gebote der Pioniere gepaukt und mich als Wandzeitungsredakteurin betätigt. Klar kenne ich das Problem wenn man Montagmorgens zu spät aufgestanden ist und dann ordentlich Fersengeld geben musste um noch rechtzeitig zum Fahnenappell auf dem Schulhof zu sein und keinen Tadel zu kassieren. Geliebt habe ich das alles sehr, es gehörte einfach dazu – ich habe viel Sport getrieben, zelten war damals schon eine meiner Leidenschaften und große Familienfeiern gehörten immer dazu. Den Duft der großen weiten Welt habe ich damals noch nicht wirklich verspürt, für mich gab es ja eigentlich auch nur die Hohe Tatra und die Ostsee – vermisst habe ich nichts, als Kind versteht man nicht das man als DDR Bürger nicht weiter hat reisen können.

Die Welt ruft und ich renne los!
Als dann die Wende kam veränderte sich auch mein Leben, nicht nur das wir nun offiziell „BRAVO“ lesen durften, ins Gymnasium gingen statt in die EOS (Erweiterte Oberschule), Jeans ab jetzt zum guten Ton gehörten und Bananen Einzug in unsere Schultaschen gefunden hatten. Alles war aufregend und neu – und klar musste ich, gemeinsam mit vier Freunden, eine Sprachreise nach der Jugendweihe (im Westen ist das wohl die Heilige Kommunion) machen. England war das Land das uns zog, Ossis erleben die Welt! Der Duft der „Freiheit“ ist mir nie wieder aus der Nase gegangen. Seit damals reise ich wahnsinnig gern und bin immer wieder von Fernweh getrieben. Neue Kulturen und andere Mentalitäten gehören für mich einfach zum Leben dazu.

Kaum das Abi in der Tasche war ich weg
Nach dem Abitur bin ich deswegen auch sofort auf den Hacken umgedreht und nach Österreich zum Studium gezogen. Salzburg sollte meine neue Heimat sein, und sie war es dann auch für ganze sieben Jahre. Es war nicht immer leicht als 19jährige von daheim auszuziehen, in ein anderes Land zu gehen, dort die Behördengänge lebendig zu überstehen und nicht zu verzweifeln wenn man nicht mal Wurst allein kaufen kann: „Wie voi Dekka voins denn ham??? Megns a krakauer, a frankfurta würsterl oder a faschierts laiberl??“. Oder wenn man keine Fahrkarte für den Bus kaufen kann weil mir nicht in den Kopf ging was die meinen mit: „Kaufen müssens sich a Koarten in der Trafik!“ – was um Himmels willen sollte denn das schon wieder sein?.

Aller Anfang ist schwer
Aber auch die anfänglichen Hürden umschifft man wenn man an sich glaubt und sich nicht dafür schämt wenn auch mal Tränen laufen weil alles schwerer ist als angenommen. Nach zwei Jahren hatte ich mich komplett eingebürgert in Salzburg: tolle Freunde gefunden, kannte die wichtigsten Strassen auch ohne Karte auseinander, war Mitglied in verschiedenen Vereinen, fand die Universität und mein Studium der Kultursoziologie, Politikwissenschaften und Kommunikationswissenschaften ganz toll, genoss das Skifahren im Winter und das Wandern im Sommer und feierte jedes Wochenende durch.

Meine große Liebe ist eine Stadt
Kurzum ist Salzburg meine Wahlheimat und der Platz an dem ich immer wieder am liebsten bin weil er für mich Heimat und Zuflucht bedeutet und ich dort die wichtigsten Menschen in meinem Leben kennen gelernt habe. Meine Freunde sind mir heilig und auch wenn ich jetzt weggezogen bin halten wir engen Kontakt und ich bin oft in Österreich zu Besuch. Es ist sicher nicht auszuschließen das ich irgendwann wieder zurückgehen werde, aber bis dahin wird noch ein wenig Zeit vergehen. Man muss manchmal auch Abstand gewinnen um nachher wieder entdecken zu können, in welchem Reichtum was Umgebung, Menschen, Mentalität und Kultur anbetrifft, man gelebt hat. Den Blickwinkel zu erweitern kann Wunder wirken, auch wenn es Mut bedarf um das durchzuziehen.

Die wohl beste Uni der Welt was Menschlichkeit angeht
Die Universität in Salzburg war ein echter Glücksgriff, eine kleine Uni an der jeder Professor den Namen seiner Studenten kennt und man sich einmal in der Woche zum gemütlichen Frühstück im Büro der Studienrichtungsvertretung zusammensetzt. Wo man die Seminare auch mal in den Biergarten verlegt, am Wochenende auf ein nettes Kurswochenende fährt und die Professoren auch mal ein Auge zudrücken wenn bei Neuschnee und Sonne nicht ganz so viele Studenten in der Uni sitzen sondern alle am Berg beim Ski fahren anzufinden sind. Besser kann man wohl kaum studieren, ich habe das immer sehr geschätzt und war froh diesen Schritt gegangen zu sein. Und weil mein Fernweh auch in Österreich nicht nachließ bin ich ein halbes Jahr nach Amerika gegangen um dort zu studieren. Kaum zurück hatte ich solche Hummeln im Po das ich mir kaum vorstellen konnte, sofort in Salzburg weiterzustudieren.

München als weitere Station und eine Frau Magister
Und so zog ich nach ein paar Wochen, nachdem ich aus Amerika zurück war, für ein viertel Jahr nach München und arbeitete als Praktikums-Redakteurin beim Fernsehen fürs Talk-Show Genre. Ich war fasziniert von dieser Welt und den Möglichkeiten die sie bot. Und doch zog es mich zurück in mein beschauliches Salzburg um mein Studium zu beenden. Im April 2003 war es dann auch endlich soweit: ich war ab sofort Frau Mag. rer.soc.oec. Anja Sindermann und mein inneres Fieber nach ständigen Veränderungen brannte sofort wieder lichterloh.

Mein erster Job nach dem Studium
Nach einer großen Studienabschlußfeier zog es mich nach Wien wo ich an einem Fernsehcasting teilnahm. Der erste österreichische Privatsender sollte in Kürze auf Sendung gehen und Moderatoren wurden gesucht. Ich hatte schon während meines Studiums Veranstaltungen verschiedenster Art moderiert. Und mein Faible für die Medienwelt war durch mein Studium, meine Praktika und die Medienforschungen an denen ich während der Unizeit mitgearbeitet hatte, nur noch grösser geworden. Und deshalb nahm ich gern an diesem Casting teil. Schaden konnte es nicht – probieren geht immer über studieren. Und der liebe Gott meinte es gut mit mir: ich bekam den Job und moderierte fortan gemeinsam mit einem zweiten Moderator eine tägliche Streetshow. Was war das für ein Spaß, und ich konnte gleich eine Woche nach meinem Studienabschluss dort anfangen. Ich lernte wahnsinnig viel und sog alle Erfahrungen nur so in mich auf. Nach drei Monaten lief die Show aus.

Ein neuer Job und neue Erfahrungen
Ich besann mich dann auf das im Studium angeeignete und fing als PR-Assistentin in Salzburg an. Und wieder war eine Zeit des Lernens angesagt: diesmal im PR Texte schreiben, Kunden akquirieren, Konzepte schreiben, Meetings vorbereiten, Pressekonferenzen durchführen. Auch das machte mir viel Spaß, aber nach einem Jahr kam wieder der Durst nach der weiten Welt in mir hoch.

Und wieder ruft die weite Welt
Mittlerweile war ich schon nach Seoul, L.A., Miami, Zürich und Lissabon gereist – teils als Urlaub, teils als Messehostess, teils als Modeljob. Aber so richtig zufrieden stellen konnte mich das nicht. Und so kamen Marc und ich auf die Idee ein halbes Jahr nach Asien zu gehen. Gesagt getan: und dann kam der Aufruf zum Peking Express dazwischen… der Rest ist ja irgendwie bekannt. Nach dem Peking Express begab ich mich an meine Doktorarbeit und für die Finanzierung nahm ich meinen Studienjob als Model wieder auf.

Planen ist nicht mein Ding, aber für die Zukunft habe ich schon Träume
Meine Zukunft liegt für mich wieder im Bereich der Moderation, ich mache das wahnsinnig gern und habe viel Spaß und Freude bei dieser Sache. Ich habe das Glück von einer Moderationsagentur unterstützt zu werden. Finden könnt ihr mich unter www.infotainer.de . Was die Zukunft bringen wird mag ich nicht zu beurteilen, ich konzentriere mich jetzt auf meine Doktorarbeit und meinen Weg wenn es mit der Moderation nicht klappt. Ich glaube an das Schicksal, das mir den letzten 8 Jahren so oft über den Weg geholfen hat. Mir sind Dinge geglückt von denen ich nie zu träumen gewagt hatte – der Weg dorthin war nicht immer leicht, Zweifel kamen da schon oft auf, aber die Erfahrung hat bewiesen das der Atem manchmal nur lang genug sein muss. Es geht alles mit Kraft, Glauben, Optimismus und lieben Menschen die einen unterstützen.

Die nächste Reise schon im Visier
Und da auch diesmal das Fernweh nicht auf sich warten lässt, überlegen Marc und ich bereits die nächste Reise. Diesmal soll es ins Land der Kängurus gehen – nach Australien. Aber dazu wird jetzt erstmal viel Literatur gewälzt … wir lassen es euch wissen wenn wir uns wieder auf den Weg machen in ein anderes Land mit neuen Abenteuern und hoffentlich für eine lange Zeit!

Bis dahin hoffe ich, dass ihr unsere Seite interessant und aufschlussreich findet und wir freuen uns immer wieder über Fragen und Postings zu unseren Personen oder zur Reise mit dem „Peking Express“

Lasst es euch gut gehen und seid ganz lieb gedrückt und gegrüßt!

Anja.